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Konzeption zur Sanierung von Unternehmen in der Krise

Die zunehmende Globalisierung der Absatz- und Beschaffungsmärkte hat den Ausgleich der Wettbewerbsunterschiede zwischen Märkten und Unternehmen so stark beschleunigt, daß kein Unternehmen mehr darauf vertrauen kann, es werde von den internationalen Einflüssen verschont. Der Ausgleich von Wettbewerbsunterschieden ist vergleichbar mit den aus der Physik bekannten kommunizierenden Röhren. Während jedoch früher die Fließgeschwindigkeit zwischen den internationalen Märkten relativ niedrig war und damit ein Ausgleich nur langsam oder gar nicht erfolgte, ist heute bei stark verbesserten Kommunikationsmitteln und vielfältigen und schnellen Transportmöglichkeiten jedes Produkt und jede Leistung international schnell verfügbar. Auch die Sprache ist kein Hindernis mehr. Englisch ist in jedem Land, das am Wirtschaftsgeschehen teilhaben will, das akzeptierte und vorausgesetzte Verständigungsmedium.

Dieses hat dazu geführt, daß Unternehmen, die sich auf diese Situation nicht rechtzeitig eingestellt haben, abgehängt werden und damit sukzessive, bisweilen ohne es gleich zu merken, das bilanzielle Gleichgewicht verlieren. Dieses kann schleichend erfolgen oder, vergleichbar mit dem Segelsport, aufgrund einer Windbö auch plötzlich. Sind noch genügend Vermögenswerte da, kann eine Windbö abgewettert werden, ist das nicht der Fall, kentert man gleich.
 
 

Wann befindet sich ein Unternehmen in der Krise?

Diese Frage kann mit einem Satz beantwortet werden. Ein Unternehmen befindet sich bereits dann in einer kritischen Situation, wenn es Einflüssen nicht mehr begegnet oder begegnen kann, die es aus dem bilanziellen Gleichgewicht werfen. Die Situation der Überschuldung neben der Zahlungsunfähigkeit als Konkursgrund hat daher auch eine prinzipielle Berechtigung, jedoch muß nicht jedes Schiff, das gekentert ist, auch gleich verschrottet werden. Kleine schnelle Jollen richtet eine gute Besatzung innerhalb kurzer Zeit auch selbst wieder auf, große Schiffe brauchen, sofern sie nicht versunken sind, in der Regel externe Hilfe. Dieses ist bei Unternehmen nicht anders und hat in der neuen Insolvenzordnung eine gewisse Berücksichtigung gefunden. Ein Unternehmen mit all seinen Chancen, Beziehungen und volkswirtschaftlichen Beiträgen neu aufzubauen, ist erheblich schwieriger und teurer, als ein bestehendes Unternehmen durch externe Hilfestellung zu erhalten, vorausgesetzt, es hat eine Chance am Markt.

Was wirft ein Unternehmen aus dem Gleichgewicht? Hierzu braucht man nur die Bilanzpositionen eines aktiven Unternehmens zu durchdenken und erhält einen sehr umfangreichen Katalog. Die Bilanz spiegelt dabei die Vermögensstruktur oder statische Struktur, die GuV die Geschäftsprozeß- oder dynamische Struktur wider.

Aktivseite der Bilanz

Passivseite der Bilanz Hohe Rückstellungen für Auftragsverluste weisen auf kritische Schwächen des Vertriebs hin, da die Aufträge entweder schlecht kalkuliert waren oder der Kunde den Verkäufer durch harte Preisverhandlungen zu zu hohen Preiszugeständnissen verleitet hat. War der Preis jedoch ein Preis, zu dem andere Wettbewerber ständig anbieten, stimmt die interne Basis für die Kalkulation nicht mehr. Die betriebliche Organisation muß überprüft werden. Vertriebsschwäche, Kostenstruktur des Unternehmens, Schwäche in der Auftragsabwicklung Gewinn- und Verlustrechnung Um die Bilanz und GuV zu analysieren und Schieflagen zu erkennen, wird u.a. auch mit einer automatischen Bilanzanalyse gearbeitet. Sie kann zwar auch nicht unkommentiert verwendet werden, macht jedoch schnell und wirkungsvoll die Überschreitung kritischer Grenzen sichtbar.

Mit dieser Vorgehensweise kann relativ schnell festgestellt weden, ob das Unternehmen sich in einer Krise befindet oder ob es sich nur um eine vorübergehende Schieflage handelt, die mit wenigen Einzelmaßnahmen repariert werden kann.
 

Wer stellt die Krisensituation fest, wie macht sie sich bemerkbar, wer gibt den Anstoß zur Krisenbewältigung?

Selten kommt eine Krisensituation plötzlich und überraschend. Meist hat das Management bereits seit längerer Zeit festgestellt, daß das Geschäft nicht mehr wie gewohnt läuft. In dem Unternehmen werden Führungskräftesitzungen angesetzt, die Mitarbeiter werden unsicher und fangen an, über das Unternehmen eine Witzkultur zu entwickeln. Hierbei handelt es sich um eine verdeckte Beschuldigung des Managements, nicht genügend Ideen für eine Beseitigung der Krise zu haben oder falsche oder zu späte Entscheidungen zu treffen, andererseits will aber keiner als Miesmacher gelten, daher entsteht als Ersatzventil der Unternehmenswitz. Eine Hochkultur in dieser Hinsicht feierte die DDR vor ihrem Niedergang. Unternehmensabkürzungen werden zu kreativen, aber meist negativen Wortspielen mißbraucht (Bsp.: AEG oder das TOP-Programm von Siemens). In dieser Situation nützen keine Appelle des Managements an den gesunden Menschenverstand der Mitarbeiter oder ähnliche Botschaften. Sie zeigen nur die Hilflosigkeit des Managements in dieser Situation. Je länger die dauert, desto schwieriger wird es für das Management, die Mannschaft herumzureißen.

In dieser Situation helfen nur zwei Möglichkeiten:

Entweder dem Management gelingt ein überzeugender Erfolgsbeweis, bspw. die Hereinnahme eines spektakulären Auftrages, der schlagartig die Verbreiter von Unternehmenswitzen verstummen läßt, oder es wird ein externer Krisenmanager hinzugezogen, der nur die Aufgabe bekommt, das Unternehmen herumzureißen.

In der Regel kommt der Anstoß zur Einsetzung eines externen Krisenmanagers von außen. Banken, Wirtschaftsprüfer oder vielleicht auch schon ein Gesellschafter sind aus ihren spezifischen Sorgen heraus diejenigen, die in einem ersten Schritt tätig werden. Selten kommt der Anstoß vom Management selbst, da das für die bestehende Führung einer Kapitulation gleichkommt. Ein Management, das eingesteht, daß es mit seinem Latein am Ende ist und dann auch noch die Initiative ergreift und einen externen und fremden Krisenmanager engagiert, dürfte die seltene Ausnahme sein.

Wer auch immer den Auftrag erteilt, muß den festen Willen haben, die bestehende Krise bewältigen und beseitigen zu wollen. Der beauftragte Krisenmanager muß die volle Unterstützung der Gesellschaft und ihrer Organe bekommen, da sonst zu viel Energie damit verbraucht wird, immer wieder neue Überzeugungsarbeit gegenüber den Auftraggebern zu leisten, statt das Unternehmen zu sanieren. Je früher er anfangen kann, desto früher kann sich der Erfolg einstellen. Bei der Hereinnahme von externen Krisenmanagern ist jedoch eine sorgfältige Auswahl erforderlich. Hat der externe Manager Erfolge vorzuweisen? Hat er den festen Willen, das Unternehmen vorübergehend selbst führen zu wollen? Auf Aufsatzschreiber und Ratgeber, die nicht selber das Management übernehmen wollen, sollte verzichtet werden.
 

Was hat der Krisenmanager zu tun?

a.) Unternehmensanalyse und Feststellung der Krisenpunkte

Auch wenn man es schon kaum noch hören mag, vorab muß der Krisenmanager sich ein Bild von der Unternehmenssituation verschaffen. Ein erfahrener Kaufmann sollte diese Unternehmensanalyse in wenigen Tagen erreichen und die wesentlichen Krisenpunkte auflisten. Hierbei werden durchaus bereits erstellte Gutachten oder WP-Berichte hinzugezogen, aber auch separate Gespräche mit der bisherigen Geschäftsführung, dem Betriebsrat und einzelnen Führungskräften. Der Krisenmanager sollte sich auch die Zeit nehmen, mit den notorischen Nörglern im Unternehmen zu sprechen, um die Ursachen für deren Unzufriedenheit herauszufinden und die Nörgler zum Schweigen zu bringen. Wichtig ist, daß das Bild am Ende der tatsächlich vorgefundenen Situation auch entspricht.

Vorgehensweise im einzelnen:

intern

extern


b.) Beseitigung der Krisenpunkte und Wiederherstellung des Unternehmensgleichgewichts.

Sind diese notwendigen Verhandlungen erfolgt, muß der Krisenmanager, ggfs. auch gegen den Widerstand von innen und außen, erste Entscheidungen durchsetzen. Es muß ein schneller erster Erfolg erzielt werden. Auf der Welle dieses ersten Erfolges können die evtl. schwierigeren Punkte angegangen und mit der gleichen Hartnäckigkeit durchgesetzt werden. Die Mannschaft darf gar nicht mehr zum Luftholen kommen, das bisherige Management wird nur noch mitgerissen. Wer allerdings nicht mitzieht, muß das Unternehmen verlassen oder mit einer Aufgabe festgesetzt werden, die ihn hindert, den Sanierungsprozeß zu stören. Das gilt für eine Führungskraft genauso wie für einen einzelnen Mitarbeiter.

Nachdem dieser erste Erfolg erreicht wurde, geht es darum, evtl. aufgetretene Wunden zu lindern. Management, Betriebsrat und Mannschaft aber auch die anderen Interessengruppen wie Kreditinstitute, ggfs öffentliche Hand, Lieferanten und Schlüsselkunden müssen motiviert werden, weiter mitzumachen. Dabei muß zwischendurch immer wieder ein größerer oder kleinerer Erfolg sichtbar werden, um die Richtigkeit der Vorgehensweise zu untermauern. Hierüber muß intern und extern berichtet werden. Das Bild in der Öffentlichkeit muß positiv dargestellt werden. Die lokale Presse ist aktiv zu unterrichten, nicht erst als Reaktion auf die öffentlich werdende Gerüchteküche.

Hierbei ist unbedingt folgende Reihenfolge einzuhalten:

Entwickeln einer nachhaltigen Unternehmensstrategie

Nachdem der Krisenmanager den kurzfristigen Erfolg des Herumreißens erzielt hat, gilt es, ein nachhaltiges Unternehmenskonzept zu erarbeiten, mit dem auch mittelfristig das Unternehmen erfolgreich sein kann. Hierfür sind interne und externe Faktoren zu definieren, mit denen aus Marktchancen Markterfolge werden können. Die notwendigen Ressourcen und finanziellen Mittel sind zu definieren, und das Konzept ist in ein zeitliches Raster für die Umsetzung zu stellen. Zur Untermauerung ist eine mittelfristige Finanzplanung für mindestens 3 Jahre zu erstellen. Hierfür sind drei Jahresergebnisrechnungen, drei Bilanzen und drei Finanzpläne zu definieren und aufeinander abzustimmen. Die Kreditgeber müssen von der Machbarkeit überzeugt werden und dazu eingestimmt werden, noch einmal frisches Geld in das Unternehmen zu geben. Damit die Glaubwürdigkeit des Neuanfangs den Eigentümern und Kreditgebern vermittelt werden kann, sollte der Krisenmanager zumindest den Start der Neukonzeption noch initiieren und begleiten.

Spätestens jetzt ist jedoch das Management, ob alt oder neu, wieder als solches einzusetzen. Es soll später hinter den neuen Maßnahmen stehen und sie zum Erfolg führen. Der Krisenmanager zieht sich zurück und beendet seine Aufgabe.

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Dirk Brauckmann
Diplomkaufmann
Management und Sanierung

Interessante Links, allerdings aus der Schweiz mit dem Hintergund des Schweizer Rechts:
http://www.alisys.ch/chklst/chksan,htm
http://www.cybertex.ch/Consulting/ManagementKrise/default.htm

Weitere Informationen zum Thema Krisenmanagement finden Sie auch unter
http://www.gruenderlinx.de/krisenmanagement.html

Literaturempfehlung mit vielen Hinweisen zur Sanierung und Restrukturierung:
Prof. Dr. Harald Ehlers:
Basel II/Rating: Die Hausaufgabe für Mittelstandsunternehmer und ihre Berater

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