
Script zum Seminar der
XYZ
AG
Verfasser: Dirk Brauckmann
Inhaltsverzeichnis:
1.1 Definition des Begriffs "Controlling"
1.2 Abgrenzung
Controlling
zu ähnlichen Begriffen, die häufig fälschlich als
Synonyme
gebraucht werden:
1.2.1 Buchhaltung:
1.2.2
Kontrolle/Prüfung:
1.2.3 Revision:
1.2.4 Begutachtung:
1.3 Selbstverständnis des Controllers:
1.4 Vermittlung des eigenen Selbstverständnisses gegenüber Gesprächspartnern im Unternehmen
2. Organisation Controlling
3. Controllingprozeß und Instrumente des Controlling
3.1
Controllingprozeß
3.1.1
Informationserfassung
(intern):
3.1.2
Informationserfassung
(extern)
3.1.3
Informationsverdichtung
3.1.4
Informationsverarbeitung
3.1.5 Informationsbewertung
3.1.6
Informationsweitergabe
3.2 Leitlinien für den Einsatz von Werkzeugen (10 Gebote)
3.3 Einige Werkzeuge des Controllers
3.3.1 Grundlagenanalyse
3.3.2 ABC-Analyse
3.3.3 Kennzahlensysteme
3.3.4 Checklisten - Technik
3.3.5 Technologieanalyse
3.3.6 Wertanalyse
3.3.7 Nutzwertanalyse
3.3.8 Zero-Base Budgeting
3.3.9
Gewinnschwellenanalyse
(Break-Even-Analyse)
3.4 Planungstechniken
3.4.1 Aufbau eines
integrierten
Planungssystems
3.4.2 Netzplantechnik
Wenn Unternehmen von gestern
sich mit Methoden von gestern
verhalten wie von gestern,
dann bleiben sie von gestern
1.1 Definition des Begriffs "Controlling"
Es gibt eine Fülle
von
Definitionen und Definitionssversuchen.
Üblicherweise wird
to control mit "steuern" oder "regeln" übersetzt.
Der Begriff kommt dem am
nächsten, trifft jedoch nicht ganz.
Der Begriff kommt aus den
USA, daher soll hier die Definition auch aus einem Aufsatz aus der
amerikanischen
Literatur erfolgen:
"Control systems are defined as those processes and structures by which managers assure that resources and energies are put to work serving the objectives of the organization"
Quelle: Robert A.
Stringer
jr.: Achievement Motivation and Management Control, ver"ffentlicht in
Motivation
and Control in Organizations
Control-Systeme werden
definiert
als die Abläufe und Strukturen, durch die Führungskräfte
sicherstellen, daß die Ressourcen und Kräfte so eingesetzt
werden,
daß sie der Erreichung der Ziele der Organisation dienen.
Fehlendes Controlling in jungen Unternehmen
Ohne Kenntnisse von Unternehmenssteuerung setzen sich viele Jungunternehmer an das Lenkrad ihres frisch gegründeten Unternehmens und haben nur das Ziel vor Augen, an den Ferienort "Gewinn" zu kommen. Zwischendurch landen sie am Baum, im Graben oder an einem falschen Ort. Möglichkeiten, statt Gewinn Verlust zu erreichen, gibt es in Fülle.
Fehlendes Controlling häufig auch in alten Unternehmen
Ein 80-jähriger, der seinen Führerschein 1925 gemacht hat und zwischendurch keine Informationen über die geänderten Verkehrsverhältnisse bekommen hat, kann sich glücklich schätzen, daß er noch am Leben ist.
Für alte Unternehmen gilt das ebenso.
Alte Unternehmen machen häufig den Fehler, daß sie sich auf dem Erfolg der Vergangenheit ausruhen. Strukturen bleiben erhalten. Methoden, mit denen gestern Erfolg erzielt wurde, werden immer wieder angewandt und nicht in Frage gestellt. Wenn sich dann der Mißerfolg einstellt, sind viele Chancen schon verpaßt.
Unternehmen müssen sich ändern, und zwar in
- ihren Zielen
- ihrer Strategie, die
Ziele
zu erreichen
- ihrer Organisation
(Ablauforganisation
und Organisationsstruktur)
- ihren personellen und
technischen Qualifikationen
- ihren Systemen, mit
denen
sie die Ablauforganisation gestalten
- ihren
Motivationsfaktoren,
mit denen sie Menschen begegnen
(Menschen sind bspw.
Kunden,
Lieferanten, Mitarbeiter, Politiker, Kapitalgeber, Nachbarn, Presse)
Der Controller hilft, diese notwendigen Änderungsprozesse rechtzeitig im Unternehmen virulent werden zu lassen.
Ein Tip hierfür, der nicht immer aber häufig klappt.
Sie lassen in einem Gespräch mit ihrer Geschäftsführung oder einem Vorstand eine Ansicht, die er sich zu eigen machen soll, beiläufig fallen.
Die Idee muß neu sein, sie kann ruhig zu Widerstand führen.
Sie geben jedoch keinen Kommentar, sondern Sie freuen sich nur darüber, wenn der Vorstand die Idee zwei Tage später als seine eigene präsentiert.
Nochmal zur Definition:
Control-Systeme werden definiert als die Abläufe und Strukturen, durch die Führungskräfte sicherstellen, daß die Ressourcen und Kräfte so eingesetzt werden, daß sie der Erreichung der Ziele der Organisation dienen.
Das wichtigste Wort ist das kleinste:
S o
Wie lenke ich
Wie und wann gebe ich Gas
Wie und wann bremse ich
A b e r
Angenommen, Sie
verfügen
über ein computergesteuertes Fahrzeug.
Sie kennen Ihre Wegstrecke.
Sie programmieren den
Computer
so, daß er das Fahrzeug genauso lenkt, wie Sie es ihm vorgeben,
und
schicken das Fahrzeug auf die Reise.
Selbst, wenn es keine anderen Verkehrsteilnehmer geben würde,
...am ersten Hindernis, das auftaucht und das Sie nicht kannten, ist die Reise beendet.
To control heißt
also
auch:
Reagieren können auf
unvorhergesehene und unerwartete Ereignisse
Eine dritte Eigenschaft:
Abläufe im Auge
behalten
und
bei Fehlentwicklungen
alarmieren
In Stichworten zusammengefaßt:
Aufgaben des Controlling:
Vorausschauen
Informationen beschaffen
Ziele setzen
Annahmen treffen
(hierbei so genau wie
möglich,
aber nicht buchhalterisch)
Maßnahmen zur
Erreichung
der Ziele vorschlagen
Vorschläge anderer
kritisch auf Zielkongruenz prüfen
Überwachung der
Durchführung
der entschiedenen Maßnahmen
Analyse der Abweichungen
während der Durchführung
Alternativen während
der Durchführung erarbeiten
Analyse der Abweichungen
nach Beendigung der Maßnahmen, um daraus Erfahrungen zu sammeln
Controlling-Prozeß
Externe Analyse Interne Analyse
Unternehmerische Gesamtzielsetzung
Unternehmerische Gesamtstrategie
Abteilungsbezogene Leistungen und Maßnahmen
Abteilungsbezogene
Ressourcenzuweisung
(Kostenauswirkung)
Entwicklung von Korrekturmaßnahmen
Budgetkontrolle
Berücksichtigung
der Abweichungen in der Planung
1.2 Abgrenzung Controlling zu ähnlichen Begriffen, die häufig fälschlich als Synonyme gebraucht werden:
1.2.1 Buchhaltung: Buchhaltung zeichnet alle Geschäftsvorfälle in einer Zeitraumrechnung auf, um mit der Bilanz die Vermögens- und Schuldensituation zu jedem Zeitpunkt und mit der Ergebnisrechnung die Erfolgssituation für einen Zeitraum zu dokumentieren.
Buchhaltung gibt damit wieder, was geschehen ist. Sie sagt jedoch nichts darüber aus, warum etwas geschehen ist. Sie sagt nichts über Alternativen und sie sagt erst recht nichts über die Zukunft. Auch die Bildung von Rückstellungen haben ihre Basis in der Vergangenheit.
Würde sich ein Unternehmer nur auf seine Buchhaltung verlassen, erführe er eventuell erst am Ende des I. Quartals, daß er zum Vorjahresende bereits wegen Überschuldung hätte Konkurs anmelden müssen.
Manchmal ist das von
Vorteil,
für die Steuerung eines Unternehmens allerdings nicht.
1.2.2
Kontrolle/Prüfung:
Kontrolle ist in engem Zusammenhang mit dem Begriff Prüfung zu
sehen.
Kontrolle vergleicht Abläufe, Prüfung vergleicht Ergebnisse
mit
vorher festgelegten Standards. Solche Standards sind bspw.:
physikalische
Meßwerte (Technik), Vertragsvereinbarungen
Budgetvorgaben
(Wirtschaft),
Buchhaltungsvorschriften (GoB) Gesetze, Verordnungen, öffentliche
Vorschriften Unternehmensrichtlinien,
Kontrolle
überprüft
parallel, Prüfung im nachhinein, ob die festgelegten Standards
eingehalten
wurden oder nicht.
Kontrolle soll das
Auftreten
von Fehlentwicklungen erkennen und schnelles Eingreifen
ermöglichen,
Prüfung soll die Wiederholung von Fehlern vermeiden helfen.
Bei Nichteinhaltung der
Standards drohen Sanktionen durch externe Stellen (Finanzbehörde,
Gewerbeaufsichtsamt, Staatsanwaltschaft, Kunden) oder interne Stellen
(Geschäftsführung,
Führungskräfte).
1.2.3. Revision:
Revision bedeutet "Wiederanschauen", und zwar von vollzogenen
betrieblichen
Sachverhalten und ihrer Dokumentation durch unternehmensinterne oder
-externe
Personen zur Beurteilung, ob sie ordnungsgemäß abgewickelt
wurden.
Die Revision geht damit etwas weiter als Kontrolle und Prüfung,
obgleich
die Begriffsabweichung nur gering ist. Sie stützt sich nicht nur
auf
Standards, sondern auch auf komplexe Sachverhalte, die nicht mehr durch
eine Meßgröße zu definieren sind.
Revision vollzieht
Wirtschaftsvorgänge
nach und versucht, die Ursachen von Fehlern aufzudecken.
Während der
Prüfer
die für ihn maßgeblichen Standards abfragt und sich
anschließend
bestätigen läßt, daß er alle maßgeblichen
Informationen,
erhalten hat (bspw. Wirtschaftsprüfer mit
Vollständigkeitserklärung
der Geschäftsführung), muß der Revisor häufig den
Spürsinn eines Detektivs anwenden, um seine Informationen zu
erhalten.Revision
hat daher oft auch den negativen Ruf des Schnüffelns. Wichtig
für
den Revisor ist die volle Rückendeckung durch seinen Auftraggeber,
auch dann noch, wenn das Ergebnis für den Auftraggeber (bspw.
Geschäftsführung)
selbst unangenehm ist.
Der Revisor muß
daher
immer organisatorisch außerhalb des zu prüfenden Bereichs
angesiedelt
sein, da er sonst nicht mit der nötigen Objektivität
prüfen
kann.
1.2.4 Begutachtung: Gutachten sind Analysen von Sachverhalten durch Personen, die für das zu beurteilende Problem besonders sachkundig sind. Sie werden zur Unterstützung der eigenen Urteilsbildung des Entscheidenden oder anstelle der eigenen Urteilsbildung benötigt.Begutachtung ist ein umfassender analytischer Prozeß zur Gewinnung eines theoretisch fundierten, vertrauenswürdigen Urteils über gegebene oder zukünftige Tatbestände, wobei die Urteilskriterien weitgehend nicht vorgegeben sind, sondern aus den Abläufen und Ergebnissen ähnlicher Prozesse abgeleitet werden.
Der Gutachter dringt
gedanklich
in die Aufgabenstellung ein, sucht in seinem Wissensschatz nach
anwendbaren
Standards oder schafft sich selbst sinnvolle Standards, dokumentiert
sie
und kommt damit zu einer Empfehlung für eine Entscheidung.
1.3 Selbstverständnis des Controllers:
Menschen, die es im nachhinein besser wissen, gibt es immer.
Menschen, die große Abhandlungen darüber schreiben, welche Fehler von erfolglosen Unternehmen gemacht wurden, begegnen Ihnen auf Schritt und Tritt.
daher: keine
Besserwisser
Was fehlt, sind
Bessermacher
Das Selbstverständnis des Controllers
Ein guter Controller
darf
selbst kein Besserwisser sein.
Er sollte jedoch solche
Menschen ruhig anhören, da auch Besserwisserei ein
Informationspotential
beinhaltet.
Ein guter Controller
arbeitet
Vergangenheit zusammen mit dem Entscheidungsträger auf, um
selbst seine Erfahrungsbasis zu vergrößern und dem
Entscheidungsträger
die Möglichkeit zu geben, seine zukünftigen Entscheidungen
stärker
abzusichern. Ein guter Controller hilft und stützt.
Ein guter Controller sollte es unterlassen, anzukreiden und andere "in die Pfanne zu hauen". Jede von hämischem Grinsen begleitete Schulmeisterei sollte unterbleiben.
G u t beinhaltet einen moralischen Anspruch. Diesem Anspruch muß ein Controller gerecht werden.
Ein Controller darf nie vergessen, daß er es mit Menschen zu tun hat. Menschen wollen verstanden werden, angenommen werden, das Gefühl haben, von Bedeutung zu sein.
Neben menschlicher Qualifikation aber auch fachliche und unternehmensspezifische Kenntnisse:
Hierzu gehören:
Notwendige Kenntnisfelder des Controllers
Bestmögliche
Kenntnis
über das Innensystem des Unternehmens
Bestmögliche Kenntnis
über das Umsystem oder Umfeld des Unternehmens
Bestmögliche
Kenntnisse
über die Interdependenzen zwischen Innensystem und Umfeld.
Bestmögliche
Kenntnisse
über die Werkzeuge zur Regelung der Systeme und der
Interdependenzen.
Maßstab für den Einsatz der Instrumente sind ausschließlich wirtschaftlich sinnvolle Ziele, die auf das selbständige Überleben der wirtschaftlichen Einheit ausgerichtet sind.
Von diesem Maßstab sollte sich der Controller nie entfernen, auch nicht, wenn er dabei im Widerspruch zu einer Entscheidung der Unternehmensführung steht.
Die einzelnen Felder
zeigen
aber auch, daß ein Controller ständig einen erheblichen
Informationsbedarf
über Unternehmen und Umfeld hat, bevor er handeln kann.
1.4 Vermittlung des eigenen Selbstverständnisses gegenüber Gesprächspartnern im Unternehmen
Die gegebenen Hinweise zu den Begriffen "Kontrolle" und "Revision" haben vielleicht gezeigt, womit auch ein Controller bei seinen Gesprächspartnern im Unternehmen rechnen muß.
Häufig Unterstellung von Besserwisserei und Schnüffelei.
Hinzu kommt, daß die Fachsprache des Controllers, die häufig gespickt ist mit Begriffen aus Buchhaltung, Rechnungswesen und Bilanzierung, von den Gesprächspartnern nicht verstanden wird.
Begriffe wie "Aktivierung" und "Passivierung" aus der Bilanzierung oder das Auseinanderhalten von Liquiditätsrechnung und Erfolgsrechnung sind für einen Gesprächspartner, der nicht in kaufmännischem Denken geschult ist, schwer verständlich.
Ein Controller, der sich nur dieser Fachsprache bedient, und verständnislos auf seinen ihn nicht verstehenden Gesprächspartner herabsieht, erntet aufgrund seiner Arroganz nur Abneigung und ist schnell isoliert.
Isolation ist jedoch für einen Controller tödlich. So wie er auf Information angewiesen ist, die ihm nur gegeben wird, wenn er Vertrauen genießt, muß er seine Analysen und Empfehlungen so darstellen, daß sie vom Empfänger verstanden werden.
Nur wenn er verstanden wird, gilt er als fachlich kompetent und wird um seinen Rat gefragt. Im anderen Fall gilt er vielleicht noch als intelligent, wird aber bewußt gemieden, da der Imformationsempfänger sich nicht die Blöße geben will zugeben zu müssen, daß er die Botschaft nicht verstanden hat.
1. Forderung:
Fragen
und Arbeitsergebnisse sind vom Controller in der gewohnten Sprache des
Gesprächspartners darzustellen, auch wenn er glaubt, daß er
sich dabei auf ein für ihn fachlich niedriges Niveau begibt.
Eine zweite wichtige Eigenschaft ist die Erzeugung von Vertrauen. Das Vorurteil, daß er ein Schnüffler ist, der seine Stellung nur nutzt, um sich bei der Geschäftsführung zu Lasten anderer beliebt zu machen, darf gar nicht erst aufkommen.
Vertrauen ist jedoch nur zu erreichen,
wenn positive Entwicklungen ebenso dargestellt werden wie negative Entwicklungen (auch Führungskräfte wollen gelobt werden),
wenn bei negativen Entwicklungen zusammen mit dem Verursacher Lösungswege erarbeitet und diese gemeinsam mit der Information über die negative Entwicklung dargestellt werden,wenn der Controller für Führungskräfte, die für ihre Probleme Hilfe suchen, zur Verfügung steht und nicht aus Zeitgründen die Führungskraft mit ihren Fragen allein läßt,
wenn ein Controller sich nur in Ausnahmefällen als trouble-shooter versteht, im Normalfall jedoch als Helfer für Problemlösungen,
wenn die Geschäftsführung nicht von ihm fordert, seine Informationsquellen preiszugeben.
2. Forderung:
Das
wichtigste "asset" eines Controllers muß sein, daß man sich
ihm anvertrauen kann. Der Controller darf sich nicht als
Informationsweiterträger
verstehen, sondern ist ein Informationsverarbeiter.
Obgleich der Controller die Rückendeckung der Geschäftsführung und damit auch deren volles Vertrauen benötigt, sollte er selbst die Macht der Hierarchie so wenig wie möglich einsetzen.
Die Gesprächspartner des Controllers müssen durch sachliche Argumentation von der Richtigkeit oder den Negativfolgen ihrer Entscheidungen überzeugt werden.
Gegenüber der Geschäftsführung muß der Controller häufig gegen sogenannte "übergeordnete politische Entscheidungen" argumentieren, sofern sie nicht von wirtschaftlicher Vernunft getragen sind, den übrigen Führungskräften muß er häufig Wunschvorstellungen ausreden, die den wirtschaftlichen Unternehmenszielen entgegenstehen.
Für alle Ebenen gilt jedoch in gleicher Weise:
3. Forderung:
Der
Controller muß seine Gesprächspartner überzeugen.
Abblocken
von Zielvorstellungen anderer ohne Begründung oder Einsatz der
Macht
der Hierarchie sind zu vermeiden.
Die am schwierigsten zu erfüllende Forderung ist die 4. Forderung: Beurteilungsmaßstab für das Handeln, Beurteilen, Empfehlen, Analysieren des Controllers ist ausschließlich wirtschaftliche Vernunft. Hierbei müssen sowohl übertriebener Pessimismus als auch euphorischer Optimismus unterbleiben.
Es ist für den Controller häufig leichter, Vorschlägen anderer mit Skepsis zu begegnen und dieses auch zu äußern. Er darf jedoch nicht zum Ideenkiller werden. Das lähmt die Kreativität der anderen.
Andererseits muß der Controller darauf achten, daß er nicht in euphorische Begeisterung ausbricht, wenn ihm eine geplante Vorgehensweise eines anderen gut gefällt. Solche Einstellungen trüben den Blick für ein kritisches Durchdenken bis zum Ende der Maßnahme.
Allerdings sollte eine
Versachlichung
nicht so weit getrieben werden, daß der Controller jede
menschliche
Emotion unterdrückt.
2. Organisation Controlling
Für jede Führungsmaßnahme in einer Organisation gilt stets die Überlegung, ob diese Maßnahme zentralisiert oder dezentralisiert werden soll.
Zentralisierte Führung heißt Führung durch eine Führungskraft oder wenige Führungskräfte, häufig mit autoritärem Führungsstil gekoppelt. Dieser Stil spricht den übrigen Mitarbeitern die Fähigkeit ab, fachlich kompetent und verantwortungsvoll für das Unternehmen zu agieren. Zentralisierung lebt mit der ständigen Furcht, daß die übrigen Mitarbeiter maßlos, unbekümmert, schlampig, fahrlässig und unfähig sind.
Dezentralisierung bedeutet, Entscheidungsspielräume auf die Mitarbeiter zu übertragen, Vertrauen in die Fähigkeiten der Mitarbeiter zu haben und die Mitarbeiter anzuspornen, auf dieser Vertrauensbasis ihr Wissens- und Kreativitätspotential zu entfalten.Diese Ausführungen könnten zu der Auffassung führen, daß auch Controllingabteilungen möglichst dezentral anzusiedeln sind.Diese Auffassung wird in jüngster Zeit häufig auch in der Literatur vertreten. Bei aller Zustimmung zur Delegation von Verantwortung möchte ich davor warnen.
Für einen Controller stellt sich die Frage der Zentralisierung oder Dezentralisierung unter einem anderen Gesichtspunkt.
Der Controller muß in der Nähe der Führung angesiedelt sein, um diese in ihren Entscheidungen zeitnah unterstützen zu können. Er muß einen möglichst täglichen Kontakt zu den von ihm unterstützten Führungskräften haben, um die auf die Organisation einwirkenden Einflüsse möglichst frühzeitig zu erfahren und Reaktionen erarbeiten zu können.
1. Forderung: Der Controller soll in unmittelbarer organisatorischer Nähe zu der Führungskraft oder den Führungskräften stehen, die er unterstützt.
Führung heißt hierbei nicht nur Geschäftsführung. Ein Controller kann auch in der Nähe einer Führungskraft der Hierarchie angesiedelt sein, wenn es seine Aufgabe ist, diese zu unterstützen.Bisweilen findet man eine Organisationsform, bei der eine zentrale Controlling-Abteilung ihre Controller in die Bereiche, Hauptabteilungen oder Zweigbetriebe ausgegliedert hat. Man verspricht sich hiervon bessere Informationen durch Anwesenheit am Ort des Geschehens.Diese Form hat zwei Nachteile: Einerseits wird der Controller meist nicht in den Bereich entsandt, um den Bereichsleiter zu unterstützen, sondern um Informationsbeschaffer für das zentrale Controlling zu sein. Folge: Die Bereichsleitung fühlt sich ständig überwacht, was ihre Aktivitäten bremsen wird.
Andererseits verliert der entsandte Controller meist den Kontakt zu seiner Stammabteilung und baut sich an seinem Einsatzort ein neues soziales Umfeld auf. Es kommt bisweilen zu Verbrüderungen mit der Bereichsleitung, die Informationen fließen meist nur noch spärlich.
2. Forderung: Controllingabteilungen oder -gruppen sollten nicht zersiedelt werden. Controller leben auch von der täglichen Diskussion und Information untereinander. Zentralisierung heißt also nicht fehlendes Vertrauen, sondern Reaktionsfähigkeit und kurze Reaktionszeiten.
Ein weiteres Kriterium, das für eine zentrale Controlling-Abteilung spricht, ist die Möglichkeit, Spezialisten für bestimmte Fachgebiete zu installieren. Jeder Controller soll zwar ein All-round-Genie sein, er kann jedoch nicht auch noch in jeder Disziplin Spezialist sein.
Die Spezialisierung kann sich sowohl auf bestimmte Unternehmensbereiche beziehen als auch auf bestimmte Fachbereiche.
Die einzelnen Controller profitieren vom Spezialwissen ihrer Kollegen und sind dadurch in der Lage, ihre Aufgaben schnell zu lösen.
3. Forderung: Controllingabteilungen sollten die Zentralisierung von qualifiziertem Personal nutzen, um einen Informationspool zu bilden.
Diese Spezialisierung darf jedoch nicht dazu führen, daß einzelne Controller sich für spezielle Fragen nicht zuständig fühlen ("Beamtenhaltung"). Die Antwort: "Dafür ist mein Kollege zuständig," darf es nicht geben.
Trotz der zentralen Ansiedelung einer Controllingabteilung darf nicht gewartet werden, bis an den Controller Probleme herangetragen werden. Er muß Schwierigkeiten im Unternehmen wittern. Hierzu gehören von Zeit zu Zeit Gespräche mit den Führungskräften und Mitarbeitern der von ihm zu steuernden Einheiten.
4. Forderung: Der Controller muß seine zentrale Stellung so oft er kann verlassen, um zu erfahren, wo sich im Unternehmen Probleme entwickeln.
Aus diesen Forderungen kann man die sinnvollste Organisation für eine Controllinggruppe oder -abteilung ableiten:
Vorschlag für eine sinnvolle Organisation:
1. Die Controllingabteilung wird als Stabsstelle der zu unterstützenden Führungskraft oder Führungsebene angesiedelt.
2. Der Leiter der Controllingabteilung ist der Verbindungsmann zwischen der Führung und seiner Abteilung.
3. Leiter und Controllingmitarbeiter bilden ein Team, das eng zusammensitzen muß (Zuruf), sich täglich informiert und gegenseitig unterstützt. Fehlt die Tagesinformation, leiden Motivation und Schnelligkeit.
4. Jeder Controllingmitarbeiter ist im Innenverhältnis der Controllingabteilung ein Spezialist (funktionale Spezialisierung), im Außenverhältnis zu den übrigen Organisationseinheiten des Unternehmens jedoch stets Ansprechpartner für alle Probleme.
5. Jeder
Controllingmitarbeiter
hat einen zugewiesenen organisatorischen Bereich zu unterstützen
und
über diesen Bereich die Informationen zu beschaffen
(organisatorische
Spezialisierung). Es ist für organisatorische Einheiten wichtig,
daß
sie einen persönlich bekannten Ansprechpartner haben.
3. Controllingprozeß und Instrumente des Controlling
Die Tätigkeit eines Maurers können Sie einmal so beschreiben:
Ein Maurer ist ein Mensch, der in der einen Hand eine Kelle mit Mörtel hat, mit der anderen Hand einen Stein nimmt und einen Stein auf den anderen setzt.
Sie können aber auch sagen:
Der Maurer ist ein Mensch, der ein Haus baut.
Übertragen auf den Controller hieße das:
Der Controller ist ein Mensch, der bspw. Break-even-Analysen durchführt.
oder
Der Controller ist ein
Mensch,
der durch Informationsverarbeitung die bestmöglichen
Steuerungsalternativen
für ein Unternehmen zu ermitteln sucht.
3.1 Controllingprozeß
Der Controllingprozeß besteht ausschließlich aus Informationsverarbeitung
Informationserfassung
Informationsverdichtung
Informationsverarbeitung
Informationsbewertung
Informationsweitergabe
Dazu muß der Controller folgende Fähigkeiten haben:
Hören können
Sehen können
Denken können
Komplexe
Zusammenhänge
begreifen können
Logik einsetzen können
Informationen zuordnen
können
3.1.1 Informationserfassung (intern) - Beispiele -:
Zugriff auf Daten des
Rechnungswesens
mit Hilfe der EDV, Kosten- und Leistungsrechnung (ex post -
Betrachtungen)
Vertragsdaten auswerten
(ex ante - Betrachtungen: Was folgt aus geschlossenen Verträgen
für
das Unternehmen?)
Bestandsdatenentwicklungen
durch Statistiken erfassen (ex post mit
Extrapolationsmöglichkeiten)
Expertengespräche mit
Fachabteilungen führen
(ex ante, aber
Unsicherheit
durch häufige Überbewertung von Nebensächlichkeiten)
Budgetabfragen,
Berichtswesen
3.1.2 Informationserfassung (extern) - Beispiele -:
Marktentwicklungen
(Verbände,
Zeitschriften, Studien, Veröffentlichungen, Datenbanken, Internet)
Wettbewerbssituation
(Marktforschungsinstitute,
Datenbanken)
Gesetzesentwicklungen
(Wirtschaftsrecht,
Steuerrecht in Fachzeitschriften)
Entwicklungen
öffentlicher
Meinungen (regionale, überregionale Presse)
Entwicklungen auf den
Finanzmärkten
(Wirtschaftspresse)
Volkswirtschaftliche
Rahmendaten
(öffentliche Statistiken, Wirtschaftspresse)
3.1.3 Informationsverdichtung
Zusammenfassen von
Einzeldaten
zu möglichst homogenen Datengruppen (EDV-unterstützt)
Kennzahlensysteme (aber
Vorsicht vor zu großer Kennzahlengläubigkeit, Kennzahlen
allein
reichen nicht)
3.1.4 Informationsverarbeitung
Einarbeiten der Datengruppen in Planungssysteme (Annahmenkataloge, Liquiditätsrechnung, Finanzbedarfsrechnung, Erfolgsrechnung, Kalkulation, Planbilanz, Wirtschaftlichkeitsrechnungen für Investitionen)
Nutzung der Datengruppen für SOLL-IST-Vergleiche mit Schwachstellenanalysen (hierbei muß die Möglichkeit des Rückgriffs auf die Ursprungsdaten gegeben sein)
Kurzfristige
Erfolgsrechnungen
3.1.5 Informationsbewertung
Bewertungskriterien sind bspw:
Existenzfähigkeit
des
Unternehmens
(Erfolgsrechnung/Liquiditätsrechnung)
Gewinnerzielungsabsicht
weitgehende finanzielle
Unabhängigkeit
Abwehr von negativen
Einflüssen
aus dem Unternehmensumfeld
Vermeidung negativer
Entwicklungen
im Unternehmen, die zu negativen Reaktionen des Unternehmensumfeldes
führen
Einhalten von
Unternehmensphilosophien
Erreichen von
Unternehmenszielen
(Überleben? Markt
sichern?
Expandieren? Wettbewerb abwehren? Wettbewerb ausschalten?
Politisches Wohlwollen?
Gesellschaftliches Wohlwollen?)
Die Bewertungskriterien
sind
jeweils in operationaler Form zu definieren.
3.1.6 Informationsweitergabe
Empfänger sind die Entscheidungsträger
Informationsaufnahmekapazität der Entscheidungsträger (qualitativ und quantitativ) ist zu berücksichtigen
Informationsempfänger
sind immer im Nachteil gegenüber dem Informationssender
(Hintergrundwissen,
Detailwissen
fehlen)
Informationsempfänger
müssen Vertrauen zum Absender haben (Informationssorgfalt!)
Art und Form der Informationsdarstellung sollten zwischen Sender und Empfänger vorab vereinbart werden, um dem Empfänger die Informationsaufnahme zu erleichtern (Wiederholung der Darstellung schafft Vertrautheit)
Information muß
entscheidungsrelevant
aufbereitet sein
3.2 Leitlinien
für
den Einsatz von Werkzeugen (10 Gebote):
(Quelle: Koontz and
O'Donnel:
Principles of Management)
1. Ein
Controlling-Instrument
muß der Eigenart und den Anforderungen einer Aufgabe gerecht
werden.
2. Ein
Controlling-Instrument
soll Abweichungen schnell aufzeigen.
3. Controlling-Instrumente
sollen zukunftsorientiert wirken.
4. Controlling-Instrumente
sollen kritische Abweichungen aufzeigen, unkritische Abweichungen
jedoch
vernachlässigen.
5. Controlling-Instrumente
sollen objektiv sein.
6. Controlling-Instrumente
müssen flexibel sein und geänderten Situationen
angepaßt
werden können.
7. Controlling-Instrumente
müssen der Organisation entsprechen.
8. Controlling-Instrumente
müssen wirtschaftlich sein.
9. Controlling-Instrumente
müssen verständlich sein.
10.
Controlling-Instrumente
müssen aufzeigen, wie Korrekturen vorzunehmen sind
(Entscheidungsalternativen).
Es wird häufig
übersehen,
daß ein Controlling-Instrument für die Aufgabe zugeschnitten
werden muß, die es steuern und regeln soll.
3.3 Einige Werkzeuge des Controllers
Analysetechniken
3.3.1 Grundlagenanalyse
Die Grundlagenanalyse erfolgt stellen- oder funktionsbezogen
Fragen:
- Muß die
Tätigkeit
durchgeführt werden?
- Bringt die
Tätigkeit
Vorteile?
- Kann die Tätigkeit
entfallen?
Diese Analyse sollte, obgleich der Controller bei der Informationsbeschaffung sehr behutsam vorgehen muß, systematisch immer wieder vorgenommen werden. Es ist eine Fundamentalkritik, die deswegen Erfolge bringt, weil sie Auswirkungen von Veränderungen aufspürt, die wegen der Trägheit der Organisation nicht zu organisatorischen Konsequenzen geführt haben.
3.3.2 ABC-Analyse
Technik zum Erkennen von Schwerpunkten
Es zeigt sich, daß relativ wenige hochwertige Materialien einer bisweilen nur kleinen Menge gegenüberstehen. Für diese wertmäßig bedeutenden Materialien werden detaillierte Bedarfsermittlungen durchgeführt, während die wertmäßig unbedeutenden Materialien wertmäßig geschätzt werden.
Diese Analyse kann man
auch
auf andere Planungsbereiche übertragen.
3.3.3 Kennzahlensysteme
Kennzahlen sind
Beziehungsgrößen,
die bei Überschreitung, Unterschreitung oder Abweichung
vorgegebener
Sollgrößen zu Aufmerksamkeit führen.
Die Erstellung von
Kennzahlen,
ohne daß damit ein bestimmter Zweck verfolgt wird, ist unsinnig.
Wenn Sie einem Vorstand
einen Katalog von Kennzahlen über das von ihm geführte
Unternehmen
präsentieren, ohne daß er weiß, was diese Kennzahlen
aussagen,
wird er sie zumindest verständnislos ansehen, besser wäre ein
lautstarker Rauswurf.
Kennzahlen unterscheiden sich häufig auch inhaltlich von Unternehmen zu Unternehmen.
Wenn Sie ein Kennzahlensystem aufbauen, sollte die Interpretation vorher den Informationsempfängern intensiv bekannt gemacht werden.
Was sich empfiehlt, ist
allerdings,
für Kennzahlen, mit denen man häufig arbeitet, kritische
Grenzwerte
zu ermitteln und dafür eine verbale Aussage zu formulieren.
Literaturempfehlung:
Magnus
Radke: Die große Betriebswirtschaftliche Formelsammlung
Verlag: Moderne Industrie
3.3.4 Checklisten - Technik
Ergänzend zu Zahlenanalysen sind Ablauf- und Maßnahmenanalysen durchzuführen, um festzustellen, durch welche Handlungsweisen es zu den ermittelten Zahlen gekommen ist.
Die Methode
hierfür
sind Fragenkataloge oder Checklists.
Bitte aber nicht
verschicken.
Die Checklists dienen nur
der eigenen Vollständigkeitskontrolle der zu stellenden Fragen,
bzw.
der zu ermittelnden Informationsdetails.
Als Controller sollten Sie Checklists, von denen es eine Fülle gibt, in einer Checklist-Bibliothek sammeln. Sie bekommen damit das Basismaterial für von Ihnen selbst zu erstellende Checklists.
Aber: Denken Sie bei
der
Zusammenstellung der eigenen Fragenkataloge an das Gebot der
Wirtschaftlichkeit.
3.3.5 Technologieanalyse
Die Technologieanalyse soll gewährleisten, daß von verschiedenen technischen Verfahren oder Systemen das gewählt wird,
das eine ausreichend
gute
Anpassung an die betrieblichen Verhältnisse zuläßt,
das den technischen
Zielanforderungen
genügt und
das zu den
günstigsten
Kosten arbeitet
Sie finden häufig bei den Investitionswünschen betrieblicher Manager den Hang, die auf der letzten Fachmesse gesehene immer optimale Anlage oder das hervorragende Softwaresystem in rationale Gründe zu verpacken.
Hierbei handelt es sich um eine ähnliche Argumentation, wie sie auch gegenüber der Ehefrau eingesetzt wird, wenn der Hausherr sich privat einen teuren PC anschaffen will.
Die Anlage brauchen wir unbedingt.
Hier hilft die
Technologieanalyse
weiter.
Ziele nennen, die mit dem
System erreicht werden sollen.
Bewerten der verschiedenen
Systeme
Auswahl des Systems, das
bei Erreichung der Ziele am kostengünstigsten ist.
3.3.6 Wertanalyse
Wertanalysen werden
überwiegend
im Konstruktions- und Produktionssektor durchgeführt, um für
Produkte bei voller Beibehaltung der Funktionsfähigkeit,
kostengünstigere
Lösungsalternativen zu finden.
Für
Verwaltungstätigkeiten
ist dieses Verfahren wesentlich schwieriger, da Sie viele Funktionen
wertmäßig
nicht erfassen können.
Die Schritte sind:
- Ermittlung Ist-Zustand
- Ermittlung Soll-Zustand
- Entwicklung von
Alternativen
- Auswahl der optimalen
Alternative
Ist-Zustand: Quantitative Erfassung kleinster Einheiten der IST-Situation. Wenn quantitativ nicht möglich, deskriptive Erfassung mit subjektiver Bewertung;
Soll-Zustand: Identifizierung der notwendigen und der überflüssigen Funktionen
Alternativen: Aus dem Verhältnis der unbedingt erforderlichen Kosten einer Einzelfunktion zu den tatsächlichen Kosten ergibt sich der Wertgrad.
Für Funktionen mit niedrigem Wertgrad sucht man mit Hilfe von Kreativitätstechniken (Brain Storming) Alternativen.
Die Wertanalyse
schärft
den Blick für das Wesentliche.
3.3.7 Nutzwertanalyse
Die Nutzwertanalyse ist die Analyse einer Menge komplexer Handlungsalternativen mit dem Zweck, die Elemente dieser Menge entsprechend den Präferenzen des Entscheidungsträgers bezüglich eines Zielsystems zu ordnen.
1. Schritt: Aufstellung
eines
Zielprogramms mit einzelnen Zielkriterien.
2. Schritt: Bewertung der
Alternativen hinsichtlich ihrer Erfüllung eines jeden
Zielkriteriums
in einer Bewertungsmatrix.
3. Schritt: Gewichtung der
Zielkriterien hinsichtlich ihres subjektiven Nutzens.
4. Schritt: Rangordnung
der Nutzwerte
3.3.8 Zero-Base Budgeting
Ein Budget ist eine operative periodische Planung. Es umschreibt einen Prozeß, bei dem vom Management dargelegt wird, welche Ressourcen für definierte zukünftige Aktivitäten benötigt und wann sie beschafft werden, in welcher Weise sie zu nutzen sind und welche Erwartungen sich damit verbinden.
Die Budgetierung
muß
sich daher an eindeutig meßbaren Zielen orientieren.
Diese Erkenntnis gilt
für
jedes Budget.
Zero-Base-Budgeting unterscheidet sich von üblichen Budgetplanungen jedoch dadurch, daß jede Budgetposition auf "0" gesetzt wird und Kosten-Nutzen-Relationen bis in die kleinsten Verantwortungsbereiche zu begründen sind.
ZBB ist
ausschließlich
zielorientiert. Zielrelevante Alternativen müssen aufgezeigt und
bewertet
werden. ZBB-Einheiten sollten so definiert werden, daß sie
möglichst
unabhängig voneinander sind, soweit es ihre Kostenhöhe
betrifft.
3.3.9 Gewinnschwellenanalyse (Break-Even-Analyse)
Die Break-Even-Analyse soll zeigen, bei welchem Absatzvolumen bzw. welchem Umsatz das Unternehmen in die Gewinnzone kommt.
Voraussetzungen:
Kenntnis der Absatzmengen,
Kenntnis der
Verkaufspreise,
Kenntnis der Fixkosten und Kenntnis der variablen Kosten.
Prämissen:
Struktur und Menge des
Produktionsprogramms
verändern sich nicht.
Keine Interdependenzen
zwischen
den verschiedenen Produkten.
Diese Prämissen
sind
selten erfüllt. Evtl. in der Zigarettenindustrie.
3.3.10 Bilanzanalyse
Die Bilanz- und
Ergebnisanalyse
wird herangezogen, wenn man als Externer versucht, ein Unternehmen zu
beurteilen.
Für den Insider
spielt
allenfalls die Kenntnis über diese Technik eine Rolle, um die
Bilanz
aussagekräftig oder wenig aussagekräftig zu gestalten.
Die Bilanzanalyse allein
gibt jedoch selten ein ausreichendes Bild von den Stärken oder
Schwächen
des zu beurteilenden Unternehmens.
Die Bilanzanalyse benutzt
Relationen und Kennzahlen, um das erfolgreiche oder weniger
erfolgreiche
Handeln des Unternehmens in der Vergangenheit aufzuzeigen.
Soweit es sich um
veröffentlichungspflichtige
Großunternehmen handelt, kann die Auswertung des Lageberichts und
des Anhangs hinzugezogen werden.
Alle Analysetechniken
machen
nichts anderes, als daß sie Daten oder qualitative Elemente in
bestimmte
Strukturen bringen, um dazu zu zwingen, möglichst umfassend das
Entscheidungsfeld
abzudecken.
3.4 Planungstechniken
Denken Sie bei Planungstechniken daran:
Planung ist der Ersatz des Zufalls durch den Irrtum
Der etwas flapsig gemeinte Spruch beinhaltet ein großes Maß an Wahrheit. Absolute Planungsgläubigkeit ist daher ebenso schlecht wie keine Planung.
Planungstechniken können daher auch nicht die Zukunft vorhersagen, sie sollen jedoch helfen, die Auswirkungen getroffener Annahmen aufzuzeigen.
Planungstechniken sind wie militärische Sandkastenspiele anzusehen.
Das jeweilige Planungsmodell ist der Sandkasten. Die Ereignisse oder Abläufe, die geplant werden, sind die taktischen Lagen, die im militärischen Sandkastenspiel geübt werden.
Planungssysteme kann man nach Ablaufsystemen und Ereignissystemen unterscheiden.
Ablaufsysteme sind bspw. Netzplantechniken. Sie sollen sicherstellen, daß alle notwendigen Handlungen in der richtigen Reihenfolge, zum richtigen Zeitpunkt und mit der richtigen Zeitdauer geplant werden.
Ein Ereignissystem ist bspw. die integrierte Unternehmensplanung, bei der organisatorische Einheiten hinsichtlich ihrer Leistungen, ihrer Faktoreinsätze und der davon abhängigen Kosten über einen Zeitraum geplant werden, um dadurch das Unternehmensergebnis vorhersagen zu können. Man unterstellt hierbei, daß ein bestimmtes Ereignisbündel (Annahmen) eintritt.
Das Planungssystem soll
dabei
helfen, die Auswirkungen unterschiedlicher Ereignisbündel oder
Annahmenkataloge
bei sonst unveränderten Bedingungen (ceteris paribus-Klausel)
aufzuzeigen.
3.4.1 Vorgehensweise beim Aufbau eines integrierten Planungssystems
(hier nur interne Betrachtung)
1. Schritt: Definition
des
organisatorischen Ablaufs der Leistungserstellung.
Ablauforganisation
2. Schritt: Definition
der
organisatorischen Einheiten, die zu der Leistungserstellung beitragen.
Organisationsstruktur
3. Schritt: Definition
des
Leistungsbeitrages der organisatorischen Einheiten nach Art, Menge und
Kosten.
Faktoreinsatz
4. Schritt:
Unterscheidung
in auftragsbezogene Einzelkosten und nicht zurechenbare Gemeinkosten.
Kostenstruktur
5. Schritt: Definition
der
Abhängigkeiten der einzelnen Faktoren untereinander.
Interdependenzen
6. Schritt: Aufstellung
eigener
Planungsteilsysteme für die verschiedenen Faktorgruppen oder
Organisationseinheiten
Detailierung
7. Schritt: Bewertung
der
Vorgänge in der Realität und Übertragung auf die
Teilsysteme.
Funktionale Beziehungen
Zur Darstellung der Ablaufstruktur und der Interdependenzen eignet sich die
3.4.2 Netzplantechnik
besonders.
Die vier Stufen der
Netzplantechnik:
- Strukturanalyse
- Zeitanalyse
- Bestimmung des
kritischen
Weges
- Ermittlung der
Pufferzeiten
Strukturanalyse: Das zu
planende
Projekt muß in Einzelvorgänge zerlegt werden.
Zeitanalyse: Festlegung
des Zeitbedarfs für die einzelnen Teilvorgänge
Bestimmung des kritischen
Weges: Bestimmung der Vorgänge, die keine freien Puffer aufweisen
und deren Zeiten genau eingehalten werden müssen.
Ermittlung der
Pufferzeiten:
Berechnung der zeitlichen Freiräume für die Vorgänge,
die
nicht kritisch sind.
Beispiel Netzplantechnik:
Vorgangsliste zum Vorgang "Jahresplanung"
Lfd. Nr. Bezeichnung Dauer Vorgänger
1
Prämissen
aufstellen
2 -
2
Analysen
Personalplanung
3 1
3
Analysen
Kostenplanung
4 1
4
Analysen
Investitionsplanung
4 1
5
Analysen
Ergebnisplanung
2 1
6
Analysen
Bilanzplanung
2 1
7
Planungsrichtlinien
Personal
1 2
8
Planungsrichtlinien
Kosten
1 3
9
Planungsrichtlinien
Investition
1 4
10
Personalbedarfsplanung
4 7
11
Zusammenfassung Personalbedarf
1
10
12
Personalkostenplanung
2 11
13
Kostenstellenplanung
6 8
14
Zusammenfassung Kostenstellen
1
13
15
Investitionskostenplanung
10 9
16
Planung neutr.
Ergebnis
2 5
17
Planung
Umsatzerlöse
8 5
18
Zusammenfassung Gesamtkosten
2
14,15
19
Planung Bestandsveränderung
2
17,18
20
Planung
aktiv.Eigenleistung
1 15
21
Steuerplanung
2 18,19,20
22
Finanzplanung
2 21
23
Bilanzplanung
2 6
24
Entscheidung
Jahresplanung
2 22,23
Wenn Sie zu dem Aufsatz Fragen haben oder sich mit mir darüber austauschen wollen, senden Sie Ihre Anregungen an meine e-mail-Adresse: dbm.Dirk.Brauckmann@t-online.de